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AUGENIMPLANTAT

Forscher planen bionisches Auge mit 1024 Elektroden zu entwickeln

Das australische Wissenschaftskonsortium Bionic Vision Australia (BVA) entwickelte erfolgreich ein Augen-Implantat mit 24 Elektroden, mit dem eine blinde Frau in der Lage ist, Lichtblitze wahrzunehmen - 1024 Elektroden ermöglichen scharfes Sehen. Derzeit arbeiten die Forscher an einem Implantat mit 98 Elektroden, mit dem zumindest große Objekte sichtbar werden.


Die Elektroden werden im Auge auf die defekte Netzhaut implantiert und gleichen so die organische Fehlfunktion des Auges aus.
(Foto: Flickr/Pink Sherbet Photography)


Tamara Garnatz, 5. September 2012

Vergangene Woche gab das australische Wissenschaftskonsortium Bionic Vision Australia (BVA) bekannt, dass der sehbehinderten Dianne Ashworth, die an einer angeborenen Netzhautdegeneration leidet, erfolgreich ein Augen-Implantat mit 24 Elektroden eingesetzt worden ist. Sie war danach in der Lage, einen Lichtblitz wahrzunehmen. „Plötzlich sah ich einen kleinen Blitz, es war erstaunlich. Bei jeder Stimulation erschien eine andere Form vor meinem Auge“, schildert Ashworth. Sie wusste vorher nicht, was sie erwarten würde. Die Wissenschaftler selbst hatten gewisse Vorahnungen. „Die Resultate haben unsere besten Erwartungen erfüllt, was uns zuversichtlich stimmt, dass wir mit weiteren Entwicklungen unsere Vision erreichen können“, so Professor Emeritus David Penington, Vorsitzender des BVA.

Das Augen-Implantat bildet ein bionisches Auge, es ist wenige Millimeter groß und enthält einen Chip, auf dem sich die Elektroden befinden. Wie das BVA erklärt, wurden die Elektroden im Auge direkt auf die defekte Netzhaut von Diane Ashworth implantiert. In der Netzhaut befinden sich neurosensorische Zellen, die die Bild-Informationen der Augen-Linse in elektrische Nervenimpulse umwandeln und an das Gehirn weiterleiten. Ist diese Vorgehensweise beeinträchtigt, erhält das Gehirn nicht die richtigen Informationen für ein einwandfreies Sehen. Mit dem bionischen Auge sorgt ein technisch gesteuerter Sensor dafür, dass die organischen Fehlfunktionen ausgeglichen werden.

Bisher funktioniert das bionische Auge mit den 24 Elektroden nur, wenn die Wissenschaftler es im Labor anschließen. Es kann bei angeborener und erworbener Blindheit eingesetzt werden. Die Forscher arbeiten zur Zeit an einem Augen-Implantat mit 98 Elektroden, mit dem große Objekte sichtbar werden. Mit 1024 Elektroden soll scharfes Sehen möglich sein, die das Lesen und Erkennen von Gesichtern ermöglichen. In ein bis zwei Jahren können diese neuen Modelle angewendet werden. „Die Tests an Patienten für diese Geräte werden zu gegebener Zeit geplant“, berichtet das BVA.